Projekte: Die Halbmeiler Wiesen

Das Gemeinschaftsprojekt

Das Gemeinschaftsprojekt des Landschaftspflege- verbandes Westerzgebirge e. V. mit den tschechischen Partnern will den ökologischen Auseinanderdriften der Halbmeiler Wiesen entgegenwirken und diese einmalige Kultur- landschaft in ihrer ursprünglichen Geschlossenheit wiederherstellen.

Die Ausgangssituation

Die Idee ein grenzüberschreitendes Projekt zu entwickeln und durchzuführen, entstand bereits 1993. Die Halbmeiler Wiesen befinden sich ca. 10 km westlich des Fichtelbergmassivs und 5 km östlich von Johanngeorgenstadt, im Altlandkreis Aue-Schwarzenberg. Ein 500 m breiter Ausläufer, direkt an der tschechischen Grenze gelegen, reicht auf den 900 m hohen Kamm des Erzgebirges in das Territorium des Nachbarlandes hinein. Landläufig als „Entenschnabel" bezeichnet, umfasst das Gelände immerhin ein ca. 15 ha großes Naturschutzgebiet auf deutscher und 27 ha auf tschechischer Seite. Ein erster Pflege- und Entwicklungsplan lag zu dem genannten Zeitpunkt bereits vor. Auf den Halbmeiler Wiesen sind noch eine großen Anzahl schützenswerter Pflanzengesellschaften vorhanden:

  • Artenreiche Bergwiesen (Bärwurz— Rotschwingel-Gesellschaften)
  • Borstgras-Torfbinsenrasen
  • Bergheide
  • Braunseggesümpfe
  • Hochmoorgesellschaften
Des Weiteren gibt es in diesem Naturschutzgebiet das einzige solige Hangmoor des Erzgebirges in verschiedenen Regenerationsstadien.

Die Ziele

Aus der Kenntnis dieser Gegebenheiten ergab sich, das es sinnvoll und notwendig ist, den tschechischen Teil in die Pflegemaßnahmen für dieses einzigartige, landschaftlich sehr reizvolle Gebiet mit einzubeziehen. Denn seit vielen Jahren erfolgte auf den „Nachbarbergwiesen" weder eine landwirtschaftliche Nutzung noch die nötige Pflege.

Die Maßnahmen

Bereits in den ersten Kontakten wurde festgelegt, dass die deutschen Partner die Organisation, Koordinierung und Pflege des gemeinsamen Projektes übernehmen. Weiter Verhandlungen mit der tschechischen Armeeverwaltung Plzen als Eigentümer, sowie mit dem Bundesgrenzschutz folgten. Sie waren notwendig für die Genehmigungen das Grenzgebiet auch mit Technik passieren zu können. Im Ergebnis der verschiedenen Beratungsrunden wurde vereinbart, dass tschechische Landwirte bzw. landwirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen die Pflegearbeiten auf ihrem Gebiet übernehmen. Hauptaufgabe des ersten Projektjahres war eine so genannte Grundpflege entsprechend den natürlichen Gegebenheiten. Bei der Größe des Naturschutzgebietes konnte die Arbeiten nur mit entsprechender Technik bewältigt werden. Zum Einsatz kamen Schlepper und Ladewagen, Motormäher und Motorsense. Von ca. 10 ha Wiesenfläche wurden Heuballen gepresst und der Rest des Mähgutes kompostiert. In den Folgejahren wurde zusätzlich ein Pflegeplan erarbeitet, umfangsreiche Kartierungsarbeiten durchgeführt und Baumpflanzungen vorgenommen. Das Erhalten der Biotope von seltenen Moosen, Flechten und Kleintieren in den Restanlagen ehemaliger Bauernhöfe waren weitere Maßnahmen. Die Pflegemaßnahmen werden auf beiden Seiten in den kommenden Jahren fortgesetzt.

Resümee

Die umfangreichen Arbeiten auf den Halbmeiler Wiesen in den letzten Jahren haben bereits zu sichtbaren Erfolg geführt. Wertvolle Pflanzengesellschaften, wie zum Beispiel Wollgras, Bärwurz, die heimische Orchidee, Knabenkraut und Arnika haben sich sehr gut entwickelt, da Altgrasbestände nicht mehr das Wachstum behindern. In wenigen Jahren werden die Wiesen im „Entenschnabel-" wieder im kräftigen Arnika-Gelb blühen.

Nutzungsgeschichte

Einen kleinen Einblick in die Nutzungsgeschichte zu Anfang des vorigen Jahrhunderts liefert uns SCHMIDT, W „Die Bewohner von Halbmeil (1980: 8 Häuser 66 Einwohner) hatten sich hauptsächlich auf Ackerbau und Viehzucht verlegt. Trotz der hohen Lage gediehen Korn (Roggen), Hafer und Kartoffeln gut. Die bebaute Bodenfläche betrug auf sudetendeutscher Seite 50 ha, wo 40-50 Stück Vieh, davon 27-30 Kühe, gehalten worden. Das Grundausmaß auf sächsischer Seite betrug etwas weniger." Auch zu späteren Zeiten war die Nutzung auf Grund der abgeschiedenen Lage und des rauen Klimas zu beiden Seiten der Grenze vorwiegend extensiv bzw. wurde, besonders im tschechischen Teil, im zunehmenden Maße vollkommen eingestellt. Aus NSG „Halbmeiler Wiesen" sind 129 Pflanzenarten bekannt geworden wovon 51 nach der roten Liste Sachsens gefährdet sind. Der floristischen Ausstattung wird eine überregionale Bedeutung zugernessen. Die Halbmeiler Wiesen sind Teil des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000, da folgende Lebensraumtypen von gemeinschaftlichern Interesse festgestellt wurden:
Trockene europäische Heiden, artenreiche Borstgrasrasen, Bergmähwiesen sowie Übergangs- und Schwingrasenmoore. Besonders beeindruckend für das Auge sind dabei die Bergmähwiesen, bei uns einfach Bergwiesen genannt, die im Frühsommmer ihre ganze Blütenbracht entfalten, nicht nur zur Freude der Menschen sondern auch einer vielzahl von Insekten, z. B. Schmetterlinge, und anderen Blütenbesuchern. Einen besonders hohen Naturschutzwert haben die Moore der Halbmeile. Moore gehören in Mitteleuropa zu den letzten naturnahen Lebensräumen überhaubt und nehmen gemessen am Anteil bedrohter Tier und Pflanzenarten einen Spitzenplatz unter den ökosystemen ein. Dabei hat das Gebiet Halbmeile noch eine besondere Rarität aufzuweisen und zwar das einzige soligene Hangmoor Sachsens. Es ist unter wasserstauendem Einfluss des Bodens und des Gesteinsuntergrundes infolge Quell- und Hangnässe sowie der hohen Niederschläge entstanden. Im tschechischem Teil der Rodungsinsel wurden 164 Pflanzenarten kartiert, wovon 36 gefährdet sind. Außergewöhnlich sind auch einige oftt sehr kleinflächige Gesellschaten, die zum Teil auf die aufgelassenen Hofstellen, Teiche und ehemaligen Torfstichen zurückgehen. Weil die beiden Teile einen einheitlichen Naturraum bilden und als solcher erhalten werden sollten, ist der grenzübergreifende Aspekt so wichig. Tiere und Pflanzen kennen keine Grenzen!

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